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Mein Weg zu LineageOS

Seit mehreren Jahren setze ich auf meinen Android-Smartphones (soweit unterstützt) alternative ROMs ein, das heißt, Betriebssystemversionen, die von einer Community erstellt, gewartet und weiterentwickelt werden. Bei meinem ersten Kontakt mit Custom-ROMs war CyanogenMod prominenter Vertreter. Nach dem angekündigten, doch dann eher schlagartigem Ende von CyanogenMod landete ich automatisch bei dessen Nachfolger: LineageOS. Hier folgt quasi mein Android-Lebenslauf.

Geschichtskunde

Urwildpferde im Tennenloher Forst
Urwildpferde im Tennenloher Forst

Lange Zeit habe ich mich nicht an das Thema Smartphone herangewagt. Mein uraltes Sony Ericsson K610i leistete gute Dienste und brauchte nur ca. alle fünf Tage aufgeladen zu werden. Man konnte telefonieren, SMS schreiben und ab und zu ein Bild knipsen (rechts ein Bild in der damals gerade noch akzeptablen Qualität). Auch E-Mail konnten mit diesem Gerät schon empfangen werden. Für Geduldige war sogar ein Web-Abruf über GPRS von Straßenkarten, mit manueller Standortangabe, möglich.

Und dann kam Weihnachten. Ein schickes HTC One X lag auf dem mir selbst angerichteten Gabentisch. Brandneu, damals Flagschiff der Marke und mit so vielen netten Spielerreien vollgepackt, dass das alte Handy (leider) sehr schnell in Vergessenheit geraten war. Zugegeben, mein Profil ist eher das eines Kundschafters, als das eines Benutzers. Jedes noch so versteckte Menü musste entdeckt werden und davon gab es eine Menge.

Zu dieser Zeit warf ich dann auch einen Blick auf die Entwicklung von Android. In diesem rasant wachsenden Markt ist die Situation heute leider nicht besser als damals: Geräte werden höchstens noch ein oder zwei Mal mit neuen Android-Versionen vom Hersteller beliefert und dann ist meistens Schluss. Marketing-technisch verständlich, jedoch unmöglich im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Der Käufer wird allein gelassen mit einer tadellos funktionierenden Hardware, aber einer täglich alternden und unsicherer werdenden Betriebsystemversion auf seinem Smartphone. Nach zwei Betriebssystem-Updates wurde von HTC keine weitere Version von Android mehr für mein Smartphone geliefert. Hier musste Abhilfe her.

Das erste Custom-ROM

HTC One X mit CM11
HTC One X mit CM11

Das damals weitverbreitetste Custom-ROM war CyanogenMod. Unterstützt von einer breiten Community und mit Hilfe von zahlreichen Hilfeseiten machte ich mich daran, das Smartphone zu rooten, es also überhaupt erst einmal zum Aufspielen neuer Software zu bringen, und anschließend das neue Betriebssystem aufzuspielen. Nicht ganz ohne Kammerflimmern wenn man bedenkt, dass man einmal reichlich 700 € für das kleine Stück Hardware ausgegeben hatte. Und wer hätte das gedacht: alle verlief problemlos. Die Software war mittlerweile so gut entwickelt, dass es keinerlei Probleme auf meinem Smartphone gab. Auch nach dem Ende des Supports durch den Hersteller konnte ich mich auf eine aktuelle Software verlassen.

Ingress Smartphone
Ingress Smartphone

Das Smartphone war anschließend im Dauereinsatz. Und mit Dauereinsatz meine ich: fast permanent an einem Zusatzakku angeschlossen und aktiviertem GPS mit einem Ingress-Spieler unterwegs. Die Hardware wurde gefordert bis zum Äußersten. Spritzwasser im Regen und Überhitzung im Auto waren keine Seltenheit. Nach zwei Jahren intensivster Nutzung und durchgehender Softwareaktualisierung (zuletzt CyanogenMod 11, Android 4.4.4, KitKat) hat die Hardware schlussendlich doch ihren Geist aufgegeben: ein GPS-Fix war nur noch sporadisch zu erhalten und das WLAN war mehr wackelig als stabil. Was über die ganze Zeit heil geblieben war: die Ladebuchse.

Hardwareersatz

Motorola Moto G
Motorola Moto G, falcon

Nach den vorgenannten Hardwareausfällen musste ein neues Smartphone her. Klar war, dass ich für die bisher gewohnten zwei Jahre Gebrauch nicht die Summe ausgeben wollte, welche das erste Smartphone verschlungen hatte. Genau zu dieser Zeit brachte Motorola das preiswerte Mittelklasse-Gerät Moto G auf den Markt. Technisch konnte es mit dem ehemaligen Flagschiff mithalten, es gar übertreffen. Die für einen Ingess-Spieler wichtigen Parameter wie schnelle Darstellung in der App, Unterstützung von mehreren Positionierungssystemen (das Moto G kann zusätzlich zu GPS auch die GLONASS-Satelliten empfangen) und die größere Akkulaufzeit hatten überzeugt und übertrafen das ehemalige Flagschiff. Das fehlende Gyroskop bedeute zwar eine kleine Einschränkung in Ingress, da der Kompass innerhalb des Spieles nicht mehr funktionierte, stellte aber für einen mittlerweile erfahrenen Spieler kein Hindernis dar. Über vier Jahre leistete mir das Moto G gute Dienste. Es war kompakt, unverwüstlich und passte in jede kleine Tasche. Upgedatet habe ich dieses Smartphone bis CyanogenMod 14.1, Android 7.1.1. Aktuelle LineageOS-ROMs für das Smartphone sind noch immer verfügbar. Und das für ein Gerät aus 2013!

Mehr Leistung

Etwas unzufrieden war ich mittlerweile mit der Leistung des Moto G und der verständlicherweise über die Jahre schwächer gewordenen Leistung des Akkus. Die etwas mageren 1 GB RAM führten dazu, dass die im Laufe der Entwicklung immer größer werdenden Anwendungen sich bei jedem Start gegenseitig aus dem Speicher verdrängten und so immer wieder neu gestartet werden mussten. Durch das Marketing einer großen Elektronikkette wurde ich dann auf das Motorola Moto G4 aufmerksam, welches es genau an einem Tag für ganze 100 € günstiger gegenüber dem regulären Marktpreis zu erstehen gab. Gesagt getan, die Marke war bekannt, die Leistungsdaten passten, gekauft.

Motorola Moto G4
Motorola Moto G4, athene

Bei diesem Gerät wollte ich gar nicht auf das Ende der Unterstützung durch den Hersteller warten. Fast direkt nach dem Kauf, obwohl damit der Garantieanspruch verloren ging, wurde eine aktuelle Version von CyanogenMod aufgespielt und lief wie erwartet hervorragend. Das war Ende 2016. Fast direkt anschließend folgte das Ende von CyanogenMod. Sollte ich jetzt wieder auf dem Stand sein, eine langsam veraltende Software zu haben, die nie wieder aktualisiert werden kann? Nein!

Geburtsstunden

Ehemalige Entwickler und Contributoren von CyanogenMod hatten sich zusammen getan und LineageOS aus der Taufe gehoben. Die ersten inoffiziellen Builds des Custom-ROMs waren nur auf XDA, einer Plattform für Android-Entwickler, verfügbar. Das Vertrauen war mittlerweile so groß, dass auch diese Versionen installiert wurden. Support war rar gesäht. Auf Google+ fand sich eine inoffizielle Community, direkter Support war auf XDA für mich jedoch noch nicht zu bekommen, da ich ein zu junges Mitglied war und dadurch keine Themen in diesem Forum beginnen konnte. Ebenfalls sehr unübsichtlich waren die Informationen zu Problemen, welche auf XDA nur sehr schwer in unterschiedlichen, manchmal über fünfzig oder mehr Seiten langen Threads zu finden waren.

So haperte es auf meinem funkelnagelneuen Moto G4 Anfang 2017 noch ziemlich an einem exorbitant hohen Akkuverbrauch, dem über die Maßen instabilen WLAN und der mehr weniger als funktionierenden Kamera.

Zu allem Überdruss vermischten sich auch noch die Problembeschreibungen auf XDA, da das Moto G4 und das Moto G4 Play nur wenige Unterschiede in der Hardwareausstattung haben, ansonsten aber mit dem gleichen Custom-ROM betrieben werden.

Es waren nervenaufreibende und unruhige Zeiten mit mehrfachen Installationsparties inkl. kompletter Neuinstallationen. Doch:

Das Kind wird erwachsen

LineageOS 14.1
LineageOS 14.1

Mittlerweile hat sich die Lage normalisiert. Jede Woche wird ein neuer Build für unterstützte Modelle veröffentlicht. Auf der Webseite kann pro Gerät die Änderungshistorie zur jeweiligen Vorgängerversion nachlesen werden. Kundige können sogar den Code-Review und die Änderungen im Sourcecode einsehen. Eingeschränkter Support ist auf Reddit zu haben. Aktuell wird der Bugtracker für Regressions oder neue Bugs zwar nur jeweils von Sonntags bis Montags geöffnet, was aber angesichts der begrenzten Kapazitäten auch verständlich ist.

Jedenfalls wurden die einzigen bei mir aufgetretenen und wirklich nervigen Bugs kurzfristig gefixt. Das WLAN ist mittlerweile stabil, der Akku hält etwas mehr als einen Tag und auch die Kamera macht hervorragende Bilder.

Ich bin rundherum zufrieden mit LineageOS und freue mich auf die wachsende Community! Wenn man ein bisschen hinter die vom Hersteller vernagelten Kulissen seines eigenen Smartphones schaut, so kann man mit LineageOS oft noch jahrelang mit stabiler und aktueller Software unterwegs sein.

Ein Gedanke zu „Mein Weg zu LineageOS

  1. Arne

    "mit einem Ingress-Spieler unterwegs."

    Wusste ich dich sofort bei dem Aufkleber :-D

    Zurück zum Thema: Ich hatte damals ein HTC Hero und anschließend HTC Desire HD. Für beide gab es keine Updates auf die nächste Androidversion. Soweit ich mich dunkel noch erinnern kann, gab es auch kein vernünftiges CyanogenMod ROM (das folgte erst als ich das Desire HD bereits in den Ruhestand schickte). So habe ich ein paar andere Custom ROMs ausprobiert. Aber fehlende und fehlerhafte Funktionen gingen mir auf die Nerven, so dass ich meinen Exkurs in die Welt der Custom ROMs entnervt aufgab.

    Nach dem Desire HD habe ich bis heute ein Google Nexus 5, welches fast tadellos lief (so langsam fangen auch hier Wehwehchen an), auch wenn es seit kurzem keine Updates mehr gibt. Den festverbauten Akku musste ich schon einmal tauschen, wobei ich seit dem ein Wackelkontakt mit der Ladebuchse habe.

    Ohne Ingress wäre für mich im übrigen ein klassisches Handy eine Option.

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